"Ehrgeiz und Hartnäckigkeit"
Im Gespräch - Reinhard Telle, Geschäftsführer der Agrar e.G. Heberndorf zu seinem Neubau der Sauenanlage und dem Betrieb
GRAAKJAER: Herr Telle, die Agrar e.G. Heberndorf ist ein Nachfolgebetrieb der ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft LPG. Wie hat sich Ihr Betrieb seit der deutschen Wiedervereinigung entwickelt?
Herr Telle: Seit 1991 leite ich als Geschäftsführer die Agrar e.G. Heberndorf. Der Betrieb hat seitdem mehrere Betriebszweige kontinuierlich weiter auf- und ausgebaut. Unter anderem betreiben wir Ackerbau und eine Schweinemastanlage für 6000 Tiere. Die dort anfallende Gülle nutzen wir seit einigen Jahren für den Betrieb einer 360kW Biogassanlage. Aber besonders stolz sind wir auf unseren Metzgereibetrieb sowie den kleinen Dorfladen, in dem wir die von uns hergestellten Produkte anbieten können. Seit dem letztem Jahr kam durch den Neubau die Sauenanlage mit Ferkelaufzucht hinzu.
GRAAKJAER: Welche Gründe hatten Sie gerade jetzt in die Schweinezucht einzusteigen?
Herr Telle: In unserer Mastanlage haben wir einen hohen Gesundheitsstatus. Leider mussten wir auf Grund von Gesundheitsproblemen in den letzten 10 Jahren 3mal den Ferkellieferanten wechseln. Um dieser Situation zukünftig aus dem Weg zu gehen, haben wir uns dazu entschlossen, unsere Ferkel selbst zu produzieren und danach weiter zu mästen. So haben wir die komplette Kontrolle bis zum Endprodukt.
GRAAKJAER: Sie haben Ihr Produktionssystem damit geschlossen. Hat sich denn dieser Schritt und die Investition gelohnt?
Herr Telle: Bis jetzt kann man dahin gehend noch keine Aussage treffen. Ich denke, bis die ersten repräsentativen Ergebnisse vorliegen, wird ein Jahr vergangen sein. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass wir mit dieser Investition und mit dem Neubau einer eigenen Sauenanlage und Ferkelaufzucht die Zukunft unsere Betriebes absichern.
GRAAKJAER: Auf der Südseite der Stallanlage wurden Photovoltaik-Module installiert. Spielten diese eine Rolle zur Absicherung der Finanzierung?
Herr Telle: Nein, die Investion in die Photovoltaik-Anlage wird sich erst in 10 Jahren rentieren. Wir haben diese Anlage über eine Leasingbank finanziert und sie dient eher dem Gedanken der Nachhaltigkeit und Zukunftsabsicherung.
GRAAKJAER: In der Genehmigungsphase für den Neubau mussten Sie mit einigen Unwägbarkeiten kämpfen. Wie haben Sie diese gemeistert?
Herr Telle: Mit viel Engagement und Hartnäckigkeit. Die meisten Schwierigkeiten hatten wir mit der Unteren Wasserbehörde in Bezug auf die Leckerkennung für Güllewanne und Güllerohre. Hier kam es in der Genehmigungsphase zur größten Verzögerung - aber, wir haben es geschafft! Ich kann nur jedem Bauwilligen raten, sehr frühzeitig mit der Planung zu beginnen. Denn entgegen allen politischen Versprechungen wächst nach allem Anschein die Bürokratie. Dennoch, im Großen und Ganzen lief alles glatt und ich bin zufrieden, dass wir die erforderlichen Genehmigungen noch rechtzeitig erhalten haben - denn der Fertigstellungstermin stand!
GRAAKJAER: Wie kam es, dass Sie GRAAKJAER für Ihr Projekt gewählt haben?
Herr Telle: Durch den Kontakt zur Agrargenossenschaft Doberschütz in Sachsen. Wir hatten die Gelegenheit uns dort die GRAAKJAER-Sauenanlage aus dem Jahr 2003 anzusehen.
Die dort erzielten guten Produktionsergebnisse geben uns große Hoffnung für die Zukunft. Der Geschäftsführer Herr Hasselhoff und Herr Schulz, Betriebsleiter von Doberschütz, sind mehr als zufrieden. Es hat uns gefallen, was wir dort sahen. Über GRAAKJAER bot sich zudem die Gelegenheit einige Ställe in Dänemark zu besuchen. Das hat uns letztendlich von diesem System überzeugt.
GRAAKJAER: Wurden denn Ihre Erwartungen an das Bau- und Projektmanagement erfüllt?
Herr Telle: Sicher gibt es während der Bauphase, bei einem solch großen Projekt, immer Kleinigkeiten die noch besser laufen könnten, jedoch wurden die Probleme von GRAAKJAER schnell erkannt und zügig behoben. Hier zeigte sich die langjährige Erfahrung der Bauleitung. Als Bauherr sieht man wie die Gebäude wachsen und obwohl man es nicht muss, steckt man doch viel Engagement und Zeit in ein solches Projekt. Ruhig sitzen bleiben fällt da schon schwer. Jedoch bin ich zufrieden mit der unkomplizierten Zusammenarbeit, denn die Termine vom ersten Spatenstich bis zum Einstallungstermin und die Baukosten wurden eingehalten. Jetzt heißt es abwarten wie die Reklamationsbearbeitung verläuft.
GRAAKJAER: Die neuen Stallgebäude wurden im November letzten Jahres fertiggestellt und mit einem tollen Tag der offenen Tür, wie wir finden, an Sie übergeben. Wie war die Resonanz aus Ihrem Umfeld?
Herr Telle: Sehr gut, es gab durchweg nur positive Resonanz. Mir war dieser Tag besonders wichtig, um erstens der Bevölkerung für die Toleranz an diesem Projekt zu danken und zweitens der Öffentlichkeit aus den umliegenden Ortschaften zu zeigen, was heute Agrarwirtschaft bedeutet. Wann bekommt man als Normalbürger die Gelegenheit einen solchen Hightech-Stall zu besichtigen? Unser Stallteam war an diesem Tag pausenlos im Einsatz, um in Führungen den gesamten Produktionsablauf zu erläutern. Viele waren positiv überrascht, dass landwirtschaftliche Tierhaltung so modern und tiergerecht funktionieren kann.
GRAAKJAER: Herr Telle, eine letzte Frage. Welche Visionen haben Sie für Ihr Unternehmen?
Herr Telle: Der Stall ist jetzt seit 5 Monaten in Betrieb, der gesamte Produktionsprozess muss sich erst einlaufen und stabilisieren, danach können wir uns nach etwas Neuem umsehen.
Vielleicht sprechen wir am Ende diesen Jahres noch einmal. Ich würde mich freuen! Wir schauen optimistisch in die Zukunft.
GRAAKJAER: Herr Telle, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft!
Heberndorf, 8.April 2010